Reparatur Unterwasserbereich - Polyester vs. Epoxid

  • Hallo zusammen,


    ich hoffe ihr kommt alle weiter so gut es geht durch die Zeit.


    Da ich nach langem Suchen und Recherchieren immer noch nicht so richtig schlau geworden bin, stelle ich die Frage nochmal hier in der erfahrenen Runde:


    Ich habe ein paar Ausbesserungs-/Reparaturarbeiten im Unterwasserbereich zu erledigen. Keine strukturellen Schäden die ins Laminat gehen, aber größere Oberflächenschäden an bspw. Ruder und Schwert.


    Nun stellte ich mir die Frage, wie ein sauberer Schichtaufbau auf bspw. Schwert und Ruder aussieht.


    Nach meinen Recherchen, ist es prinzipiell sinnvoll im Polyestersystem zu bleiben, um weiterhin mit Polyester weiterarbeiten zu können. Zudem sind die Polyesterprodukte günstiger. Das würde für mich bedeuten, die Stellen können mit Polyesterspachtel aufgearbeitet und mit Polyester-Topcoat abgeschlossen werden. Nun habe ich aber aus verschiedenen Quellen Bedenken dazu gehört, das das Polyestersystem nicht besonders wasserbeständig ist, was die "dauerhafte" Belastung angeht. Zumindestens beim Ruder wäre das bei mir der Fall, sofern ich es nicht jedesmal aufhole. Das jedenfalls gilt laut meinen Recherchen für das styrolfreie/-arme Polyester. Die nicht für den Privatgebrauch zugänglichen styrolhaltigen Topcoats würden das wohl ermöglichen.


    Ist also aus eurer Sicht doch ein Aufbau mit Epoxidspachtel sinnvoll? Was würde dann die Abschlussschicht bilden? Soweit ich weiß, sind Lacke auch nicht für den Unterwasserbereich geeignet.


    Ihr seht also, Fragen über Fragen. Vielleicht habe ich inzwischen zu viel gelesen und zu wenig hier gefragt :)


    Ich freue mich, auf eine Diskussion und ein wenig Licht im Dunklen meiner Bootsbaufragen.


    Viele Grüße,

    Jonas

  • Hallo Jonas,

    auf Deine Fragen wirst Du möglicherweise verschiedene Antworten bekomme. Hier ist meine:

    Wenn es sich bei den Arbeiten um keine "strukturellen" Schäden handelt, ist es egal, womit Du nachbesserst. Grundsätzlich kann man ein Polyestersystem immer auch mit Epoxidharzen nachbessern (es gibt sogar "Experten", die sagen, daß sei zu bevorzugen).

    Für den Laien ist das Anmischen von Polyester schwierig: Man muß dem Polyester einen Härter in der Größenordung von 2 - 3 Prozent beimischen, das ist praktisch nicht immer einfach.

    Bei Epoxy (z. B. von West) wird das Harz mit dem Härter im Verhältnis 2:1 gemischt, das ist einfacher zu realisieren.

    Polyester und Epoxi kann man gleichermaßen mit Glasfasermatten verstärken.


    An Deiner Stelle würde ich mir insgesamt nicht so viele Gedanken machen. Nimm Epoxi von West-Systems. Das bekommst Du bei AWN.

    West-System wird auch von Von-der-Linden vertrieben. Im Internet findest Du unter vonderlinden.de ein paar sehr gute technische Broschüren zur Anwendung von dem Zeug u. a. auch zur Reparatur von GFK-Booten mit Epoxi.

    Viel Spaß

    Gruß

    Karl-Heinz

  • Hallo Jonas,

    da ich derzeit ebensolche Arbeiten an der Lis erledige und schon viel an GFK-Booten gemacht habe, sei mein Senf hier auch beigesteuert:


    Epoxi stinkt bei der Verarbeitung zwar nicht, ist aber keinesfalls gesundheitlich unbedenklich. Mit normalen Einmalhandschuhen und guter Lüftung kommt man aber klar, so dass ich sagen würde, dass Epoxi "angenehmer" zu verarbeiten ist.

    Das Mischungsverhältnis muss bei beiden Systemen möglichst gut eingehalten werden, was bei Epoxi m.M.n. einfacher ist. Größere Mengen mische ich mit einer alten Küchenwaage nach Gewicht, kleinere mit Einmalspritzen nach Volumen.

    Was die Haltbarkeit im Unterwasserbereich angeht, habe ich sowohl mit Epoxi als auch Polyester gute Erfahrungen gemacht. Beides hält Jahrzehnte. Viel problematischer ist es über Wasser, wenn die Sonne draufscheint. Gerade Epoxi wird von UV-Strahlung sehr angegriffen, was aber bei entsprechender Beschichtung kein Problem ist.

    Mein Aufbau geht so: Epoxidharz mit Matte/Gewebe - Epoxidspachtel - Farbsystem (bei mir 1K-Primer + 1K-Lack in mehreren Schichten)

    Lass dich von den Aufschriften auf den Lackdosen "Nur für den Überwasserbereich" nicht verunsichern. Das hält gerade bei den Urethan-verstärkten Lacken trotzdem, wenn es nicht dauernd (also die ganze Saison) im Wasser ist. Ein Ruderblatt ist typischerweise nur beim Segeln im Wasser. Meine Boote liegen auch nicht ständig im Wasser, so dass ich sogar den gesamten Rumpf mit 1K rolle. Ich benutze gern Epifanes, aber auch aus Bequemlichkeit, weil es das Zeug bei uns im Bauhaus gibt. Ich hab auch schon mal testweise ein Uralt-Paddelboot mit einem PU-Lack von Schöner-Wohnen gestrichen, das hat auch viele Jahre gehalten und war bei gleich guter Verarbeitung deutlich günstiger.

    Abschließend sei noch gesagt, dass das Ganze keine Raketen-Wissenschaft ist, viele Leute aber eine draus machen. Die ordentliche Verarbeitung (vor allem das Anschleifen und Entfetten) ist viel wichtiger, als der Hersteller der Chemie, die da letztlich drinsteckt...


    Schönen Grüß von der Küste

    Stephan

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für eure ausführlichen Antworten!


    Gut zu wissen, dass dabei offenbar nicht alles Wissenschaft ist.


    Wenn ich euch richtig verstehe, könnte ich also sowohl ein Polyesterspachtel nutzen und mit einem Topcoat abschließen, auch bei Wasserkontakt oder ich verwende wie Stephan gesagt hat Epoxispachtel und einen Lack?


    Wenn es um Bereiche am Unterwasserschiff ginge, was die ganze Saison Wasserkontakt hat, gibt es dann eine Alternative zu den 1K Lacken?


    Noch einmal viele Dank euch und einen schönen Restabend!

  • Richtig, es wird beides funktionieren... Auch Polyester(fein)spachtel + Lack würde gehen. Beim Topcoat muss man auch aufpassen, dass die Schichtdicke passt, damit es auch ordentlich aushärtet. Das ist auf jeden Fall anspruchsvoller, als einfach Lack drauf zu rollen. Man kann auch beim Epoxi ein darauf basierendes Topcoat verwenden, wenn man nicht lackieren möchte, aber wenn man nur einzelne Stellen am Rumpf macht, dann wird man das immer sehen, denn die Farbe bekommt man eigentlich nie exakt hin...

    Wenn ein Boot ständig im Wasser liegt, wirst du mit einem 1K-Lack auf dem Rumpf nicht glücklich.

    Da muss dann im Unterwasserbereich zwingend ein Antifouling drauf und da drunter würde ich dann doch lieber einen 2K-Lack oder eben Topcoat nehmen.

    Antifouling muss regelmäßig erneuert werden, da ist eine 2K-Basis darunter schon sinnvoller.

    Das Schwert würde ich dann ebenso behandeln, wie den Rumpf. Für das Ruderblatt genügt es dann auch wie oben beschrieben, aber wenn man den 2K-Lack einmal angerührt hat, kann man den natürlich auch am Ruder verwenden.


    LG

    Stephan

  • Da hat Sonnenschuss natürlich Recht. Wenn man zwischendurch regelmäßig putzt, geht es je nach Gewässer auch ohne Antifouling. Bei uns im Bodden müsste man dann aber jede Woche ran. Und wenn erst die Seepocken Fuß gefasst haben, wird es sehr mühsam. Da hilft leider auch kein Wachs...

    Ich schränke also ein: In den Boddengewässern ist ein Antifouling bei Dauerliegern zwingend. ;)

    Weil ich eben auch kein Freund von Antifouling bin, liegen meine Boote bei Nichtbenutzung an Land auf dem Trailer...

  • Ich denke selbst am Bodden ist Antifouling nicht unbedingt nötig, da muss man halt alle 2-3 Wochen mal eben mit einem Teppichstreifen das Unterwasserschiff abschrubben (geht super mit 2 Leuten --> immer hin und her ziehen von vorne bis hinten).

    Ich mache nur Wachs drunter, das reicht beim Binnensee völlig, es gibt auch gute Ergebnisse mit Melkfett.


    Ich hatte über 25 Jahre jährlich Antifouling gestrichen, ich will es nie wieder haben!

  • Von dieser Teppichstreifen-Methode hab ich hier schonmal was gelesen, klingt interessant, aber funktioniert das denn auch ab dem Kielstummel, den die Lis ja auf 2/3 ihrer Länge hat? Wie kommt man denn da in die konkaven Bereiche?

    Ich probiere das in diesem Sommer aber auf jeden Fall mal aus, wenn mein Jolli mal etwas länger im Wasser liegt...

  • An dem "Kielstummel" bleiben dann links uns rechts davon ca. 30 cm ungeputzt, da nehme ich den Schrubber und wische da eben gezielt entlang.


    Wenn ich das Boot raus slippe dann lasse ich es direkt auf der Rampe stehen und wasche es dort (mit Spüli im Eimer) mit einem Schwamm ab. Danach ist alles ab. Ob das auf der Ostsee funktioniert kann man nur probieren.


    Seit Jahren wird wegen der Belastung der Gewässer durch das Antifouling ja an Unterwasserwaschanlagen getüftelt, irgendwann wird es sowas vielleicht in jeder großen Marina geben.


    Auf unserem Trinkwassersee ist Antifouling nicht mehr erlaubt (es wird aber nicht kontrolliert, deshalb haben es viele noch drunter).

  • Natürlich mit 10 Jahren! Da war es noch ein Kielzugvogel, der Opti davor hatte kein Antifouling ;-) Danach hatte ich über 20 Jahre eine Dyas, da habe ich jährlich das Antifouling erneuert (eine dünne neue Schicht). Das ist keine große Sache, aber trotzdem keine schöne Arbeit über Kopf (anschleifen, entstauben, abkleben, rollen).


    Das war eines der Gründe für den Neubau. Die meisten Gebrauchtboote haben das Antifouling schon drunter.


    Meie LIS ist so gebaut dass so gut wie keine Wartung erforderlich ist. Deshalb ist auch kein einziges Holzteil verbaut. Reiner Joghurtbecher ;-)

  • Super! Auch euch nochmal vielen Dank!


    Ich werde dann vermutlich doch Epoxidspachtel und einen 2K Polyurethan Lack nehmen, weil ich denke es ist für mich besser applizierbar.


    Die Idee mit dem Teppichstreifen finde ich super! Falls ich mal irgendwo ausreichend lange Streifen finde probiere ich das direkt mal aus.