Kajütbeschichtung - wie ist der Stand der Technik

  • Hallo zusammen,


    ich habe mir gerade einen Lis JK Baujahr 1990 gekauft. Das Boot ist in einem prima Zustand, aber auch in meiner Kajüte rieselt die alte Beschichtung. Da ich ab und an im Boot übernachten möchte, muss eine Lösung her.


    Ich habe hier im Forum die Beiträge (Grapho Therm oder Nadelfilz und viel Handarbeit) gelesen. Bevor ich mir nun also einen Elektroschaber besorge und anfange das ganze alte Zeugs abzuschaben noch mal die Nachfrage, ob sich in den letzten Jahren zu diesem Thema vielleicht (hoffentlich?) etwas getan hat? Macht es vielleicht Sinn, nur die losen Fasern abzubürsten / abzusaugen und dann zu binden / zu überstreichen? Falls ja, womit? Da die Flächen noch fest verklebt sind, hätte solch eine Lösung zumindest im Decken-/Fensterbereich durchaus ihrem Charme...


    Ansonsten an dieser Stelle vielen Dank für die vielen interessanten Beiträge - der Umbau meines Trailers zum Sliptrailer steht auch bevor, da sind die Tipps echt wertvoll.


    Handbreit,

    Pieze

  • Ich habe dasselbe Problem. Überall in der Kajüte ein Besatz aus kleinen Fasern, vom Aussehen her wie Schimmelpilz (rein optisch, ich sage nicht, dass es das ist). Ich habe mal mit Absaugen mithilfe des Staubsaugers angefangen, aber das war unbefriedigend. Laut Ferndiagnose könnte es alter Kleber sein. Man hat natürlich Bedenken, ob solche Fasern nicht schädlich sein können, und man will das ja auch nicht unbedingt einatmen. Ich tendiere eigentlich zum Überstreichen, weil mir das am elegantesten die Probleme zu lösen scheint. Aber womit?

  • OK, beim Absaugen der alten Beschichtung kam mir ein Teil entgegen. Nun werde ich die Wandflächen doch komplett abspachteln und ersetzen. Die Decke sieht noch ganz gut aus und bleibt. Nach einiger Recherche im Netz habe ich mich für die Wandbereiche nun für GisaTex entschieden. Zwar ein teurer Spaß aber dann hoffentlich auch eine langfristige Lösung....

  • Was heißt "abspachteln"? Mit einem Spachtel kriegt man das Zeug bei mir bestimmt nicht ab. Diese Fasern sitzen absolut fest. Überkleben wäre natürlich auch elegant, aber hält das oben? Und welches Material?

  • Also bei mir ist unterhalb der Fenster eine Art Teppich verklebt (gewesen) - der bröselte und ließ sich halbwegs vernünftig mit dem Spachtel entfernen. Die Kleberreste habe ich nochmals mit einem Folienradierer bearbeitet. Da kommt jetzt Gisatex drauf - mit Kleber kostet der Spaß etwa 180,-€.

    Alles ab Höhe Fenster bzw. ab Höhe der Schwalbennester ist mit der der hier schon vielfach zitierten Oberfläche verarbeitet - keine Chance das mit vertretbarem Aufwand zu lösen (oder man möge mir gern Tipps geben). Das lasse ich jetzt erst einmal so. Aber wenn, dann definitiv eher überstreichen als überkleben.

  • Habe dieser Tage mit Dieter Gade gesprochen. Er meint, man habe zeitweise aus optischen Gründen eine pelzarige Beschichtung aufgebracht, die sich nach Jahrzenten nun auflöst. Er empfahl mir das Überstreichen mit "flüssiger Tapete". Soll es beim Malerbedarf geben. Scheint mir auch die einfachste Lösung zu sein, denn jedes Abkratzen dürfte diverse Nachteile zu haben.

  • Bin gespannt, welche Erfahrungen Du machst - ich habe unterhalb der Fenster in den Wandbereichen jetzt Gisatex verklebt. War ganz vernünftig zu verarbeiten und sieht gut aus. Mal sehen, wie die Langzeiterfahrungen sein werden.


    Bei der flüssigen Tapete bzw. dem Rollputz frage ich mich, ob das auch bei der Bewegung in den Flächen haften bleibt?

  • War inzwischen beim Malermeister. Flüssige Tapete gab es früher mal. Er hat eine Art Grundierung, von der er mir ein paar Liter abfüllen will. Die Fläche ist ja nicht groß. Das bindet das alte Zeug und kann nach Belieben überstrichen werden. Und haftet auf sämtlichen Untergründen. Werde nochmal nach dem Namen fragen, war irgendwas mit "Hydro"

  • Guten Tag allerseits,


    früher hatten wir bei Neubooten eine Beflockung auf die Kajütdecke aufgebracht. Elektrisch aufgeladene Nylonfäden stellten sich in einen zuvor aufgerollten Kleber. Hier rieselte aber immer etwas runter, das war gerade auf den Bootsmessen unangenehm, wenn den Kaufinteressenten die Nylonfäden in den Nacken rieselte. ?(


    Seit einigen Jahren streichen wir eine Art Putz auf das Kajütdach. Dieser ist relativ dickflüssig. beim Rollen ergibt sich dann eine Struktur ähnlich einer Raufasertapete. Dieser "Putz" nimmt aber die Luftfeuchtigkeit der Atemluft auf. Man hat also am Morgen keine Tropfen mehr am Kajütdach hängen, die einem dann ins Gesicht tropfen.;)


    Gruß Peter Gade

  • Hallo,

    ich empfehle auf große Flächen hellen Nadelfilz aufzukleben, das ist wohnlich und angenehmer als die olle Beflockung...

    auch unter den Fenstern habe ich Filz aufgebracht, ein Feeling wie im 70er Jahre Auto.

    Gr

    Helge

  • Hallo,

    ich glaube kaum, dass man auf einer pelzigen Oberfläche, die, wenn man sie berührt, zu Staub zerfällt, etwas kleben kann. Es soll ja gerade die vermutlich nicht sehr gesunde Prozedur des Abschleifens vermieden werden. Ich versuche es jetzt mal mit dem flüssigen Zeug, das schon beschrieben wurde

    Gruß Hein

  • Hatte auch die Beflockung. hab das Zeugs weitgehend mit Atemschutz und Staubabsaugung abgeschliffen. Dann von Gade diese "Wandfarbe" gekauft.

    Erstens bindet die Farbe übriggebliebene Nylonfadenreste (man kriegt in den Ecken einfach nicht Alles weg). da rieselt dann nichts mehr. Zweitens ist die Farbe hygroskopisch. Nimmt Luftfeuchtigkeit auf. dh. keine Kondenswassertropfen mehr an der Decke, die einem morgens ins Gesicht tropfen. Die Farbe fühlt dann sich zwar feucht an, aber keine Tropfen!! einziger Nachteil: auf der Farbe haftet nix. Klebestreifen lösen sich sofort wieder ab.

    ist jetzt mehrere Jahre her und ich und auch Freunde haben seither bestimmt 50 mal in der Kajüte geschlafen. bin immer noch sehr zufrieden. Grüße, Uli; Baldenysee