Lis Family - Anfängerfragen

  • ...etwas spät, aber doch noch ein paar Worte zur hier laufenden Diskussion:


    Um auf Böen gut reagieren zu können - ich bin auch Alleinsegler auf einer Lis - Family mit 30 kg Ballastschwert - habe ich in den letzten Wochen viel an Segel und Rigg geändert.

    1) Montage von Spinlock Cam Cleat PXR 0810/SW statt der unhandlichen Curryklemmen für die Fockschoten! Das ist ein Gedicht, denn egal ob vorne oder hinten sitzend geht der Beschlag wegen der Drehplatte mit - kein umständliches Einhängen in die Klemme mehr, was ja je nach Sitzposition geht oder auch nicht (die früher auf der Curryklemme werksseitig montierten Bügel haben ohnehin die Meisten direkt entfernt, da die Fockschot, insbesondere bei Leichtwind, festhing. Einfaches Fieren und Dichtsetzen, einfaches Bedienen des Festsetzen oder Lösen (Einstellbar!) durch Bewegen der Schot nach oben oder unten. Leichtgängigkeit der Fockschoten durch saubere Führung. Gute und schnelle Erreichbarkeit der Fockschot - Enden, wenn man - wie ich - diese auch mal loslässt. Sicheres und schnelles Fock-Einrollmanöver, da - eben nichts mehr irgendwo hängt (siehe oben). Die werksseitig montierten Umlenkblöcke habe ich zur Angleichung mit HDPE 900 schwarz unterlegt. Kosten allerdings rund 150,- Euro - allerdings war es das echt wert! Gade hat sich diese Beschläge inzwischen kommen lassen und auf dem neuen Messeboot montiert!


    2)Änderung der Reffeinrichtung! Die werksseitig montierte "automatische" Reffeinrichtung habe ich verworfen bzw. demontiert, da nie vernünftig funktioniert! Das Segel stand schlecht, da schon das Auge am Vorliek viel zu weit von der Mastnut weg ist. Das Segel hatte Falten und der Baum hin typischerweise nach hinten ab. Nun bin ich mit einem Trick zur Altvätermethode zurück, indem ich einen Reffhaken aus einem Schwanenhals Spanner 6mm gebaut habe und diesen durch die noch verbleibende Öffnung im Lümmelbeschlag geführt habe. Den Schwanenhals - Spanner habe ich dazu eingekürzt und mit einem 2 mm Sicherungsring (2,5 mm Bohrung am Ende des eingekürzten Spanners) versehen - fertig! Nun kann ich endlich das Segel vernünftig durchsetzen ohne Verzug des Vorlieks, kann das Unterliek sehr gut durchsetzen und sichere den Rest des Segels einfach mit im Segel eingebundenen Zeisingen. Das Segel steht wie ein Brett, ohne Falten und der Baum neigt sich kein bisschen mehr nach unten. Das Segeln mit diesem Reff macht viel Spaß - das Boot ist genau so schnell (gestern bei 11 kn Wind Gleitfahrt mit 7,4 kn !!!), wenn nicht sogar schneller, da nicht mehr sofort gefiert werden muss bei einfallenden Böen. Ich segele hier noch alleine ohne Probleme mit 20 - 22 kn Wind, ohne Sorgen zu haben, dass es mich erwischt, zumal so die Luv-Gierigkeit auch deutlich reduziert wird. Kosten 11,50 Euro, die Zeisinge habe ich mir selbst gebastelt!


    3) Thomas und ich (wir segeln hier viel gemeinsam) haben uns entschlossen, eine sog. Bodenseefock zu fahren. Passend zu seinem Boot hat er eine rote und ich entsprechen eine blaue Fock installiert (die Holländer sind hier ganz begeistert, weil sie meinen, wenn wir nebeneinander sind, Reklame für ihr Land zu fahren - das gibt sich schnell, wenn ich dann erkläre, dass sie sich verguckt haben und wir nicht für Holland, sondern Frankreich geflaggt haben:P)

    Die Bodensee - Fock führt dazu, dass nun erheblich mehr Höhe gelaufen werden kann, das Boot nochmals stabiler läuft und das Handling beim Umsetzen erheblich einfacher ist! Ich habe den Eindruck, dass auch die "Düse" wirksamer ist - ich fiere bei Böen mehr die Fock und merke, dass kaum noch Ruderdruck vorhanden ist. Gerade als Einhandsegler m.E. eine echte Alternative - wenn man/frau den Starkwind liebt! Kosten rund 350,- Euro.


    4)Einbau eines Vorliekstreckers. Ein ewiges Thema ist das Vorliek des Hauptsegels, da das Kedertau im Laufe der Zeit schrumpft. Das führt zu den unschönen Mikrofalten im Bereich des Keders und der Schwergängigkeit beim Segelsetzen. Weiterhin ist genau dies wesentliche Ursache für die hier schon öfters diskutierten Diagonalfalten und den hängenden Baum. Zum einen habe ich das Hauptsegel von Thomas und mir persönlich beim Segelmacher "De Jong" vorgestellt, der selber überrascht war über dieses Problem. Er hat einen neuen Keder eingezogen mit dem Ergebnis, das bei dem Hauptsegel von Thomas sage und schreibe ein nun 15cm längeres Vorliek generiert werden konnte, bei mir waren es nach 2 Jahren (!) immerhin noch 5 cm. Um diesem Problem entgegenzuwirken, habe ich den ehemaligen Baumniederholer umfunktioniert (habe ich und andere jedenfalls noch nie gebraucht), schlage diesen am Mastfuß und am Lümmebeschlag an und kann nun sauber durchsetzen: das Segel steht wie eine "1"! Kosten ncihts


    Ich habe noch weitere Änderungen, so z.B. am Schwert Auf- und Niederholer, Rollreffeinrichtung etc. vorgenommen. Wenn gewünscht, werde ich auch mit Bildern mal etwas mehr dazu schreiben - die Änderungen liegen bei Gade vor und sind dort bekannt und sollen auch umgesetzt werden!


    Mast und Schotbruch

    Harald