Leegierigkeit

  • Hallo zusammen,


    die erste Lis-Saison geht langsam zu Ende und wir sind begeistert von dem Boot.
    Wir haben nur ein kleines Problem mit dem Trimm und zwar bekommen wir die Leegierigkeit einfach nicht in den Griff.
    Wir haben den Mast jetzt auf der mittleren Position, das Vorstag ist fast komplett gespannt und die Wanten stehen auf dem vierten von unten (glaub ich).
    Der Anker ist nicht vorne drin (kommt heute ganz nach vorn) und aufgrund der geringen Wassertiefe können wir das Schwert leider nicht ganz ausfahren, teilweise schon fast komplett oben.
    Als ich beim segeln mal auf dem Vorschiff stand, war es besser.


    Ich möchte den Mast heute noch etwas nach hinten setzen, allerdings wäre meine Frage jetzt, ob dann der Winkel zwischen Mast und Wanten ausreichend ist, er kommt mir doch etwas klein vor.


    Wie stramm muss das Vorstag gespannt sein? Es sollte sich doch nicht sehr durchbiegen, wenn Druck vom Segel kommt?
    Ich möchte die Wanten/das Vorstag ja auch nicht zu sehr spannen, das kann ja auch nicht gut sein.


    Sind das die richtigen Massnahmen? Wie habt ihr es gespannt? Was könnte ich sonst noch tun?


    Für Tips wäre ich sehr dankbar, viele Grüße,
    Stefan

  • Wenn das Boot leegierig ist und dies so nicht gewünscht ist so muß der Mast weiter nach hinten. Meist ist ja gewünscht das das Boot wenn man alles losläßt (Mann über Bord) in den Wind schiesst.
    Damit ist die Mastspitze gemeint, nicht der Fuß.
    Also erstmal versuchen die Wanten kürzer und das Vorstag dementsprechend länger zu trimmen damit das Boot luvgieriger wird. Reicht das nicht dann den Mast im Mastfuß weiter nach vorne. Dadurch kommt die Spitze weiter nach hinten.
    Die Spannung reicht wenn die Leewant bei Belastung nicht locker ist. Die Luv Want ist ja von selber stramm ;)
    HTH
    Paul

  • Hallo Lis - Fans,
    möchte aucdh meinen Senf zum Thema Lee-Luv-gierigkeit dazu geben. Stefan es hat natürlich auch mit deinem nicht ganz abgesenkten Schwert zu tun. Wenn dein Boot Luvgierig ist und du das Schwert ein wenig aufholst, wandert der Flächenmittelpunkt des Schwertes nach achtern und die Luvgierigkeit nimmt ab, ( bei Leegierigkeit absenken) . Dabei verkleinert sich die wirksame Fläche des Schwertes kaum, die Abdrift wird also nicht größer.
    Andere Ursachen:
    Luvgierigkeit: Mast steht zu weit achtern, Großschot zu dicht, Mast zu hart, die Düse zwischen Vor- und Großsegel ist abgeklemmt, das Großsegel - Achterliek macht zu, das Genua Achterliek macht zu oder rollt sich ein, Der Traveller steht zu weit mittschiffs oder zu weit in Luv, Das Schwert sitzt zu weit vorn, das Schwert ist zu steil abgesenkt, das Boot krängt zu stark, das Boot ist zu stark auf die Nase Getrimmt,der Großsegel - Vorliekstrecker ist nicht dicht genug.
    Leegierigkeit: Hier gilt die gleiche Ursachenliste wie bei der Luvgierigkeit. nur müssen die einzelnen Punkte sinngemäß ins Gegenteil verkehrt werden.
    Auf meiner Lis habe ich den Mast immer in der Mitte der Mastspur gestellt, nach Montage eines Klappmastbeschlags stand der Mast auch auf der selben Posion. Mastfall
    3 - 5 Grad nach achtern, Wanten und Vorstag stark durgesetzt. Die Hollis lief immer wie auf Schienen, bei zunehmenden Wind wurde sie leicht Luvgierig, was auch gewollt war ( Kenterung :ertrink: ).
    Ich hoffe ich konnte dir einwenig helfen und wünsche dir viel Erfolg bei deinen Vesuchen.
    Schöne Grüße aus dem Pott, Hollis Peter :irre:



    Ein kluger Mann macht nicht alle Fehler selbst. Ergibt auch anderen eine Chance.............. :ill:

  • Hallo,


    vielen Dank für die Hilfestellung, da ist ja einiges dabei, was mir hoffentlich hilft.
    Die Auswirkungen des Schwertes sind schon behoben (da wo der See es zulässt...)
    Zwei Fragen noch: Was bedeutet stark durchgesetzt, ich habe etwas Angst, die Wanten/das Vorstag zu stark zu spannen.
    Und noch ne blöde Frage, wie misst Du denn den Mastfall so exakt? Habs mit gelöstem Grossfall probiert, ob der Mast nach hinten steht, aber das hat nur rumgewackelt durch Wind und Wellen (obwohl nur wenig Wind war).
    Probleme über Probleme, wenn man noch nicht so viel Ahnung hat...


    Viele Grüße

  • Hallo Stefan,
    du warst schon fast auf dem richtigen Weg, nur im Wasser klappt das nicht. du mußt schon das Boot auf einen Trailer ausgerichtet stellen, dann kannst du mit dem Großfall die Gradzahl des Mastfall messen.
    Auf deine Frage nach stark durchgesetzt, meine ich, dass auf den Wanten und Stag richtig Spannung ist. Wenn deine Wanten und das Vorstag ok sind, kannst du sie auch richtig belasten. Auf meiner Lis wurde die Fock bzw. Genua " Freifliegend " gefahren. Das heißt, dass Stahlseil im Vorliek war auch das Vorstag, ( hast du bestimmt schon einmal bei den 470 gesehen ). Das Vorliek der Fock bzw. Genua wurde über eine Talje durchgesetzt. Dadurch kam richtig Zug auf die Wanten und Stag. Das normale Vorstag diente nur dazu das der Mast beim Vorsegelwechsel nicht umkippte.
    Auch noch etwas, es gibt keine blöde Frage, nur blöde Antworten.................. :lol:


    Viele Grüße aus dem Pott, Hollis Peter :irre:


    Talente finden Lösungen, Genies entdecken Probleme.................... :ill:

  • mit dem Mastfall bei der Lis ist das so eine Sache, weil das Schiff extrem nickt (nach vorne/hinten Gewichtsempfindlich ist) und man so eigentlich nicht weiß, wann es gerade liegt. Mein Eindruck sind aber auch eher mal 5 Grad, also deutlich sichtbar.
    man kann den Mast problemlos auf die hinterste Kerbe der Schiene stellen, um Leegierigkeit anzugehen. Die Wantenneigung reicht dennoch. M.E. müssen die Wanten der LIS sehr stark gespannt sein, damit man das Vorliek gerade halten kann. Egal ob fliegend oder nicht. Wenn man Stagreiter hat und die Konstruktion mit dem hoch/runterlaufenden Fall, dann kan man Vorstag und Fall beides in die Stagreiter picken. Damit bekommt man ein recht gerades Vorliek.


    hope this helps

    Bootsblog und Refit Log LIS Jollenkreuzer G1240:

  • Tach auch,
    wie ich schon in meinem Vorbericht geschrieben habe würde ich das Boot auf den Trailer stellen und ausrichten. Das Boot nickt und schaukeln nicht mehr und ich kann alles in Ruhe und ohne Stress messen und einstellen.
    Für heute schöne Grüße aus dem Pott, Hollis :irre:


    Navigation ist, wenn man trozdem ankommt................... :ill:

  • Vielen, vielen Dank für die Hilfestellung, ich hab mal wieder viel gelernt.
    Werde anfang nächster Woche mal probieren, ne gute Einstellung zu finden, für den Mast muss man ja doch besser zu dritt sein.
    Für den Rest (Mastfall) hat man dann in der Winterpause wenigstens was zu tun und es wird nicht langweilig.
    Viele Grüße und ein schönes Wochenende,
    Stefan

  • Hallole,
    der Mast lässt sich ganz gut alleine stellen/versetzen, wenn man die Wanten etwas lockert und sich dann aufs Kajütdach stellt. Dann lässt sich der Mast gerade anheben und bequem legen/versetzen, er ist ja nicht schwer.


    Bei mir nickt das Boot natürlich auch nur im Wasser, dort aber deutlich. Schon nach dem MIttagessen habe ich mehr Mastfall :titter:

    Bootsblog und Refit Log LIS Jollenkreuzer G1240:

  • Tach noch einmal,
    horstj schreibt : Bei mir nickt das Boot natürlich auch nur im Wasser, dort aber deutlich. Schon nach dem Mittagessen hab ich mehr Masfall.
    Böse Zungen behaupten bei mir auch, " Wo ich bin ist Lee..............." :gruebel:
    Ein schönes Wochenende wünscht euch Hollis, Peter. :irre:


    Es ist nicht immer der Wind, wenn die Schiffe schaukeln :ill:

  • Hallole,
    ja für Gewichtstrimm ist die LIS ein Sensibelchen. Rumschots lohnt es sich schon, einen Schluck nach hinten zu nehmen :D


    Zur Wantenspannung würde mich durchaus auch interessieren, ob das mal jemand ausgemessen hat. Der Mast ist ja recht steif und flext: fast nix. Nach Reinhängen würde ich sagen, die ist schon sehr hoch. D.h. das Rigg wird sehr hart ausgespannt. Wenn man das aber nicht macht, dann gibt es bei 4+Bft dieses Bild (so Fotos gibt es von unserer LIS auch):

    Bootsblog und Refit Log LIS Jollenkreuzer G1240:

  • Hallo horstj,


    zu deinem Thread, da Du schon Bezug auf unser Schiff nimmst, möchte ich noch etwas hinzufügen:
    Die Wantenspannung ging an diesem Tag nahezu gegen "Null" .... :o


    Man kann es auf dem Bild auch schon ein wenig erkennen. Die Klappe zum Bugstauraum lag nicht mehr vollkommen an der Dichtung an. Der Grund war, dass das Deck unter dem Mastdruck nachgegeben hatte. Somit war auch die Wantenspannung weg.
    Doch sehr um die Deckstabilität besorgt, wollte ich schauen was dort im Stauraum passiert ist. Alles war soweit schadlos. Eben "nur" stark verformt. Doch die Stauklappe ließ sich Aufgrund des deformierten Schotts nicht wieder richtig einsetzen. Das hat dann die Situation noch weiter verschlimmert.
    Nach der Regatta habe das Schiff erst mal wieder verladen um mich dann am nächsten Tag darum zu kümmern.
    Am nächsten Tag war die Verweunderung nicht schlecht. Das Deck war in seine Originallage zurückgekehrt. Ich habe dann als Gegenmaßnahme eine Maststütze eingebaut. Problem behoben :cheesygrin: .


    Ist das Deck deiner Jolle steif genug ?


    Folge mal dem Link. Hier sind auch noch Bilder wo man sehen kann wie das Vorstag nachgibt und die Fock dadurch in Wellenform "steht".


    Gruß Udo

    Wer nicht auf Sand bauen will, nimmt einfach die Steine die man ihm in den Weg legt. :versteck:


  • Hallole,


    dass bei der Jolle teils das Deck nachgibt liest man hier im Forum auch an anderer Stelle. Ich dachte beim Jollenkreuzer wäre das ab Anfang der 80er geändert und behoben. Das bei diesem Foto auch das nachgebende Deck die Ursache ist wusste ich natürlich nicht; das war auch nicht als Hinweis auf Fehler gemeint. Wie gesagt von unserem JK gibt es auch so Bilder. Die Lösung im Moment ist bei mir, das Rigg wirklich sehr sehr durchzuspannen. Andere haben sich ja Taljen ans Fockfall montiert, das wird bei mir im Winter wohl auch kommen. Mit Rollfock und der am Vorliek hoch/runter laufenden Fall ist das Rigg aber dauerhaft so gespannt und wird - anders als bei allen anderen Jollen, die ich so kenne - nicht zwischendrin entspannt. Die Werft gibt ja eher die Empfehlung, dass so ab 4-5Bft das Leewant lose kommen sollte (meine ich im Handbuch gelesen zu haben, oder verwechsle ich das mit Forumstipps?). Dann steht aber meines Erachtens die Fock nicht mehr. Mich würden hier auch mal zum Vergleich Messwerte von anderen interessieren. Subjektiv ist mein Eindruck, dass man die Wanten/Fockvorliek ganz schön anknallen muss.


    Grüßle.

    Bootsblog und Refit Log LIS Jollenkreuzer G1240: